
- Die Sperrung führt zu weniger Aufenthaltsqualität
- Ausschluss von Autos ist ohne Folgen für das Quartier gedacht
- AvD unterstützt Forderungen nach Diskussionen mit allen Akteuren
Der Automobilclub von Deutschland (AvD) unterstützt die Forderung von Gewerbetreibenden an der Friedrichstraße in Berlin, die dort angeordnete Aussperrung des Autoverkehrs rückgängig zu machen. Der seit Sommer 2020 durchgeführte Verkehrsversuch lässt lediglich Fußgänger und Radfahrer im Abschnitt zwischen Französischer und Leipziger Straße zu. Ursprünglich begrenzt bis Oktober 2021, ist die Verkehrsänderung durch den neugewählten Senat jetzt dauerhaft angeordnet. Verkehrssenatorin Jarasch (Bündnis 90/Die Grünen) plant sogar, das komplette Quartier rund um Friedrichstraße und den Gendarmenmarkt autofrei zu machen.
Der AvD schließt sich der Meinung von Anliegern und Wirtschaftsvertretern an, dass die Friedrichstraße zu einer „Fahrradschnellstraße“ umgerüstet wurde. Auf dem breiten gelb markierten Teil der Fahrbahn wird in hohem Tempo geradelt und energisch jeder Querungsversuch von Passanten mit der Klingel abgewehrt. Den Fußgängern bleibt lediglich der Bürgersteig. Verschiedene Sitzgelegenheiten und Raumteiler aus Holz möblieren anstelle von Parkmöglichkeiten die Bereiche bis zum Randstein. Ortsfeste Begrünung ist nur eingeschränkt vorgesehen, da unter der Straße eine U-Bahn-Strecke entlang führt. Von vielen wird die Aufenthaltsqualität als gering kritisiert. Das Publikum nimmt die Situation als trist wahr, mit der Folge, dass selbst bei angenehmen Temperaturen und Wetter die Menschen wegbleiben. Samstags ist die Friedrichstraße oft menschenleer, während Konsumfreudige in andere Quartiere ziehen, in denen die Mobilität auf den Straßen weitaus weniger eingeschränkt wird. Ladenbesitzer und Hotels melden jedenfalls fehlendes Publikum und Umsatzrückgänge, die nur in geringem Maße mit der Pandemie zu erklären seien. Eine „Fußgängerzone“ oder gar „Flaniermeile“ ist mit dem Konzept nicht entstanden.
Der Ausschluss des Kraftfahrzeugverkehrs riegelt nach Beobachtung der Anlieger mit ihren Läden, Hotels und Restaurants das gesamte Quartier von seiner Umgebung ab. Damit wird eine durch viele Baustellen in der Nähe, darunter die für eine U-Bahn, das Humboldtforum und die Staatsbibliothek, schon vorher eingeschränkte Zugänglichkeit mit Fahrzeugen auf Dauer eingerichtet. Fahrzeugverkehr ist in die umliegenden Seitenstraßen abgedrängt, Lieferverkehre kompliziert, Busse und Taxis zu Umwegen gezwungen. Daraus entsteht eine zusätzliche Verkehrsbelastung, die durch eine umsichtigere Planung hätte vermieden werden können.
AvD Generalsekretär Lutz Leif Linden: „Der AvD unterstützt im Sinne der Förderung der Mobilität die Anliegen von Anwohnern, Geschäftsleuten und anderen Interessierten, die Gesamtsituation rund um die Friedrichstraße zu verbessern. Bisher stehen lediglich ungeprüfte Behauptungen ohne gesicherte Datenbasis über die Folgen der Sperrung im Raum, die rein ideologisch geprägt sind. Der AvD unterstützt Vorschläge, gemeinsam mit den Verkehrsbehörden ein Gesamtkonzept zu erarbeiten und bis dahin auf untaugliche Einzelmaßnahmen zu verzichten.“