20.01.2022 - Pressemitteilung

AvD wendet sich gegen Sperrung des Mainkais in Frankfurt

Der AvD spricht sich gegen Pläne aus, das nördliche Mainufer für den Fahrzeugverkehr zu sperren.
AvD gegen Sperrung des MainkaisCopyright (c) 2018 OlegGr/Shutterstock. No use without permission. (Photographer)
  • Geplante Sperrung verursacht zusätzliche Probleme
  • Vorhaben führt zu Staus auf anderen Straßen und in Wohnvierteln
  •  AvD fordert Ausarbeitung eines Gesamtkonzepts und einen Masterplan Mobilität

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) spricht sich gegen Pläne aus, in Frankfurt am Main, Sitz der AvD-Zentrale, das nördliche Mainufer zwischen Untermainbrücke und Alte Brücke für den Fahrzeugverkehr zu sperren. Die Stadt Frankfurt am Main will auf dem wichtigen Straßenabschnitt dauerhaft zwischen 19 Uhr abends und 6 Uhr am Morgen sowie in den Sommerferien rund um die Uhr den motorisierten Fahrzeugverkehr ausschließen. 

Die verantwortlichen Parteien der Stadtregierung –  Grüne, SPD, FDP und Volt – begründen ihr Vorhaben eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität zu erreichen sowie Raum für Begegnungen schaffen zu wollen. Das zeitweise Verbot deklarieren sie als „einen ersten Schritt zum komplett autofreien Mainkai“.

Aus Sicht des AvD ist das Vorhaben eine sinnlose Einzelmaßnahme, die ohne jedwede Einbindung in ein schlüssiges Gesamtkonzept umgesetzt werden soll. Das nun im Raum stehende Vorhaben ist dabei nicht das erste Experiment auf diesem Abschnitt des Mainkais. Schon der vorherige mehrmonatige Ausschluss des motorisierten Verkehrs  hatte erhebliche negative Auswirkungen auf die Verkehrssituation in der gesamten Frankfurter Innenstadt. Die zentrale Verbindungsfunktion zwischen den westlichen und östlichen Innenstadtbereichen wird von den Parteien auch jetzt wieder beharrlich ignoriert ebenso wie die massive zusätzliche Verkehrsbelastung für den am südlichen Mainufer gelegenen Stadtteil Sachsenhausen. Stadteilbewohner, Pendler und der sonstige Durchgangsverkehr sahen sich damals gezwungen sich mit ihren Autos Schleichwege zu suchen, um an ihre Zielorte zu gelangen. Die Folge waren lange Staus auf wichtigen Durchgangsstraßen, wie Berliner Straße, der Schweizer Straße und der Hanauer Landstraße sowie deutlich erhöhtes Verkehrsaufkommen in den angrenzenden Wohnvierteln. Busse und Bahnen waren dadurch ebenfalls beeinträchtigt. Im Resultat führte die Mainkai-Sperrung zu einem erheblichen Anstieg der Fahrleistungen durch Umwege und den daraus resultierenden Emissionen sowie zu Mehrkosten durch Fahrzeitverlängerungen im gewerblichen Verkehr in ganz Frankfurt.

Um das Vorhaben trotz aller negativer Erfahrungen dennoch umzusetzen, ist nun geplant den Verkehr zunächst nur nachts und in der verkehrsarmen Sommerzeit für den Verkehr zu sperren. Der AvD erinnert daran, dass Frankfurt am Main die „Pendlerhauptstadt Deutschlands“ ist. Im Jahr 2019 zählte die IHK Frankfurt rund 380.000 Arbeits- und Fachkräfte, die Tag für Tag in die Stadt kommen, um ihre Arbeitsstellen zu erreichen. Hinzu kommen zehntausende Schüler und Studenten aus dem Umland, denn Frankfurt am Main erfüllt auch die Funktion eines überregionalen Ausbildungszentrums. Viele davon kommen mit dem Auto in die Stadt. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist häufig keine Alternative. Oft fehlt es den Pendlern an verfügbaren ÖPNV-Verbindungen, während gleichzeitig  die vorhandenen Linien während der Stoßzeiten an ihrer Belastungsgrenze operieren und keine nennenswerte Zahl zusätzlicher Fahrgäste aufnehmen können. Der für die Stadt und den Ballungsraum dringend gebotene Ausbau der öffentlichen Verkehre wird jedoch Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Aber auch Wirtschaftsverkehre, wie der von Handwerkern und Dienstleistern sowie der Transport von Waren und Gütern sind auf die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Auto angewiesen. Der innerstädtische Einzelhandel in Frankfurt lebt überdies in nicht unerheblichem Umfang von den Käufern aus dem Umland.

Dem AvD ist es ein Anliegen, für die Mobilitätsbedürfnisse von Autofahrern einzutreten, die auf eine bezahlbare Mobilität angewiesen sind. In der herrschenden Pandemie hat der individuelle Kraftfahrzeugverkehr zunehmende Anteile bei den täglich gewählten Verkehrsmitteln. Weite Bevölkerungskreise sind darauf angewiesen, das sollte bei jeder mobilitätspolitischen Maßnahme berücksichtigt werden.

AvD Generalsekretär Lutz Leif Linden: „Der AvD mahnt mit vielen Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik an, nicht mit Schnellschüssen auf die Herausforderungen einer modernen Verkehrs- und Mobilitätspolitik zu reagieren. Statt autistisch untaugliche Einzelmaßnahmen zu propagieren, müssen alle vorgesehenen Maßnahmen zunächst auf ihre unmittelbaren und mittelbaren Folgen für die Frankfurter Verkehrssituation  analysiert und evaluiert werden. Das darf aber nicht „am lebenden Objekt“ und zu Lasten der Bürger geschehen. Hier erwarte ich die Nutzung moderner digitaler Simulationen. Auch sind die Verantwortlichen in Stadtverwaltung und Stadtrat in der Bringschuld endlich einen fachlich detailliert ausgearbeiteten Masterplan Mobilität umzusetzen, der alle Auswirkungen der Planungen auf Pendler, Wirtschaft und Bewohner bis hinein ins Umland erfasst. Zu skandieren, der Autoverkehr sei in Frankfurt unerwünscht, und mit der heißen Nadel unausgegorene Veränderungen zu beschließen, wäre ein Kardinalsfehler“.