
- Camping boomt, doch Anschaffung und Unterhalt werden teurer
- AvD begrüßt mehr Sicherheit durch GSR II
- Kauf oder Miete? Folgekosten bedenken
Nach den Sommerferien beginnt für viele Caravaning-Fans die Zeit der Bilanz: Hat sich das eigene Wohnmobil oder der Wohnwagen gerechnet und wohin jetzt mit dem Camper bis zum nächsten Urlaub? Die Nachfrage nach Campingurlaub ist jedenfalls ungebrochen. Gemäß Statistischem Bundesamt wurden im vergangenen Jahr 44,7 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen gezählt. Das entspricht 4,2 Prozent mehr als noch im Jahr 2024 und liegt deutlich 24,9 Prozent über dem Niveau von 2019, also vor der Corona-Pandemie. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) erläutert die neuesten Sicherheitsvorgaben der EU und deutet an, für wen sich die Caravan-Anschaffung noch lohnt.
Anfang der 2020er Jahre führte die Pandemie zu einem regelrechten Boom bei Reisemobilen und Caravans. Dies hatte allerdings auch eine Kehrseite, da die Nachfrage zunächst zu einer massiven Ausweitung der Produktion führte. Als sie sich anschließend normalisierte, blieben hohe Lagerbestände zurück. Diese Überkapazitäten stellen aktuell für Verbraucher durchaus eine Chance dar. Denn wer flexibel ist, kann bei Lager- und Vorjahresfahrzeugen sowie jungen Gebrauchten eventuell Rabatte verhandeln.
Neue EU-Sicherheitsvorgaben
Die Neuwagenwelt hat sich jedoch durch die EU-General-Safety-Regulation (GSR II) jüngst verändert. Seit dem 7. Juli 2026 gelten für alle neu zugelassenen Fahrzeuge zusätzliche Sicherheitsanforderungen. Dazu gehören unter anderem intelligente Geschwindigkeitsassistenz, Rückfahr-Erkennung, Müdigkeits- und Aufmerksamkeitswarnung, Spurhalte- und Notbremsassistent oder auch Parksensorik. Der AvD begrüßt grundsätzlich Maßnahmen, die zu mehr Sicherheit führen. Mehr Technik bedeutet aber auch zusätzliche Komponenten, was sich auf die Kosten für Anschaffung, Wartung und Reparaturen auswirken kann. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Vorgaben zunächst nur Neuzulassungen betreffen. Für bereits zugelassene Bestandsfahrzeuge besteht keine Nachrüstpflicht.
Aus Verbrauchersicht lohnt sich ein Neukauf aktuell vor allem dann, wenn das Fahrzeug intensiv genutzt wird und langfristig im Besitz bleiben soll. Wer nur wenige Wochen im Jahr unterwegs ist, sollte ehrlich rechnen, denn neben Kaufpreis oder Finanzierung fallen Versicherung, Steuer, Wartung, Reifen, HU, Stellplatz, Kraftstoff sowie Kosten für Camping- und Stellplätze an. Letztere sind in den vergangenen Jahren ebenfalls deutlich gestiegen: 2025 lagen laut Destatis die allgemeinen Campinggebühren 28,7 Prozent über dem Niveau von 2020. Wohnmobilstellplätze sind sogar um 32,2 Prozent höher als vor Corona. Der AvD empfiehlt daher, sich nicht vom vermeintlichen Schnäppchenpreis blenden zu lassen, sondern die Gesamtkosten über mehrere Jahre zu betrachten.
Wohin mit dem Camper?
Spätestens nach den Herbstferien kommt für viele das Thema Winterlagerung dazu. Gerade in Ballungsräumen sind geeignete Stand- und Unterstellplätze knapp. Regelmäßiges Parken von Kraftfahrzeugen über 7,5 Tonnen sowie Anhängern über 2 Tonnen innerhalb geschlossener Ortschaften ist nach § 12 Abs. 3a der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) grundsätzlich verboten. Zudem muss auch beim kurzzeitigen Parken auf die verbleibende Fahrbahnbreite geachtet werden. Diese muss mindestens 3,05 Meter sein, sodass an engen Straßenstellen nicht einmal gehalten werden darf. Spezielle Camper-Haltestellen werden oft mit entsprechenden Verkehrszeichen angezeigt. Wer sein Fahrzeug also nicht ganzjährig nutzt oder auf dem eigenen Grundstück abstellen kann, sollte frühzeitig einen geeigneten, trockenen und sicheren Stellplatz organisieren.
Caravaning bleibt attraktiv, aber die Rechnung muss heute mehr umfassen als den Kaufpreis. Wer häufig fährt, lange hält und die laufenden Kosten einkalkuliert, kann mit dem eigenen Camper weiterhin sinnvoll unterwegs sein. Für Wenigfahrer sind Miete, ein geprüfter Gebrauchter oder ein kleinerer Campervan häufig die wirtschaftlichere Alternative.
