14.07.2026 - Pressemitteilung

Chancen und Hürden des automobilen Stromspeichers

Beim bidirektionalen Laden fließt Strom nicht nur vom Stromnetz in die Fahrzeugbatterie, sondern bei Bedarf auch wieder zurück.
KI-Generierter Inhalt
  • E-Autos als Stromspeicher und anderweitig nutzen
  • Bidirektionales Laden kann Stromkosten senken
  • AvD benennt das Für und Wider der Technik

Elektroautos könnten künftig weit mehr sein als ein emissionsfreies Fortbewegungsmittel. Mit dem sogenannten bidirektionalen Laden entwickeln sie sich zu automobilen Stromspeichern, die den eigenen Haushalt versorgen, Stromkosten senken und gleichzeitig das Stromnetz entlasten können. Aus Sicht des Automobilclub von Deutschland (AvD) steckt darin großes Potenzial für Verbraucher und die Energiewende. Gleichzeitig besteht jedoch weiterhin erheblicher Handlungsbedarf, damit die Technik im Alltag einfach, bezahlbar und flächendeckend nutzbar wird.

Beim bidirektionalen Laden fließt Strom nicht nur vom Stromnetz in die Fahrzeugbatterie, sondern bei Bedarf auch wieder zurück. Das Elektroauto kann dadurch überschüssigen Solarstrom zwischenspeichern und später im Haushalt nutzen oder, sofern die gesetzlichen und technischen Voraussetzungen erfüllt sind, Strom wieder ins öffentliche Netz einspeisen. Gerade mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien gewinnt diese Flexibilität an Bedeutung, denn Wind- und Solarstrom stehen nicht jederzeit gleichmäßig zur Verfügung. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie treibt deshalb gemeinsam mit Industrie und Netzbetreibern die Standardisierung der Technologie voran.

Vor- und Nachteile
Für Verbraucher liegen die Vorteile auf der Hand: Eigenverbrauch statt teurem Netzstrom, bessere Nutzung einer Photovoltaikanlage sowie perspektivisch Einnahmen durch Einspeisen ins Stromnetz. Gleichzeitig kann bidirektionales Laden helfen, Hochphasen in der Stromversorgung zu reduzieren und den Netzausbau effizienter zu gestalten.

Dem stehen derzeit jedoch Einschränkungen gegenüber. Aktuell unterstützen noch vergleichsweise wenige Fahrzeuge und Wallboxen die Technik. Einheitliche Standards fehlen teilweise und wirtschaftliche Modelle befinden sich vielerorts noch im Aufbau. Hinzu kommen offene Fragen zur Abrechnung, zur Vergütung sowie zu Garantien der Fahrzeughersteller hinsichtlich zusätzlicher Ladezyklen, also dem regelmäßigen Entleeren und Wiederaufladen des Akkus.

Varianten
Je nach Einsatz gibt es drei Formen des bidirektionalen Ladens. Am einfachsten ist Vehicle-to-Load (V2L) beziehungsweise Vehicle-to-Device (V2D). Dabei dient das Elektroauto als mobile Steckdose und versorgt beispielsweise E-Bikes, Werkzeuge oder Campinggeräte mit Strom. Deutlich interessanter für Hausbesitzer ist Vehicle-to-Home (V2H). Hier speichert das Fahrzeug überschüssigen Strom und gibt ihn später an den eigenen Haushalt ab. So lässt sich der Bezug von teurem Netzstrom reduzieren. Die dritte Variante ist Vehicle-to-Grid (V2G). Dabei wird Strom aus der Fahrzeugbatterie bei Bedarf wieder in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

Voraussetzungen
Wer bidirektionales Laden nutzen möchte, benötigt ein kompatibles Elektrofahrzeug, eine bidirektionale Wallbox, einen geeigneten Hausanschluss und meist auch ein Energiemanagementsystem. Besonders für V2G ist außerdem ein intelligentes Messsystem nötig, der sogenannte Smart Meter. Dieser digitale Stromzähler misst den Stromverbrauch in Echtzeit und kann die Daten sicher an Netzbetreiber und Energieversorger übertragen. Erst dadurch werden dynamische Stromtarife, intelligente Steuerung und eine rechtssichere Abrechnung der Stromflüsse möglich. Positiv bewertet der AvD zudem den neuen Beschluss der Bundesregierung zur Einführung des sogenannten „Smart Meter light“ (Programm für Aufschwung und Beschäftigung, Punkt 16). Diese vereinfachte Lösung erlaubt zwar keine Steuerung etwa von Wallbox und Wärmepumpe, aber eine genaue Messung des Stromverbrauchs und ist deutlich kostengünstiger.

Die Investitionskosten einer kompletten Anlage sind derzeit noch vergleichsweise hoch. Je nach technischer Ausstattung des Gebäudes und Installationsaufwand muss man mit rund 4.000 bis 8.000 Euro für eine vollständige bidirektionale Ladeinfrastruktur rechnen. Hinzu kommen die Kosten für das Smart Meter mit gesetzlich vorgegebenen Preisobergrenzen von meist 30 bis 50 Euro im Jahr. Inklusive einer Steuereinrichtung kommen weitere 50 Euro hinzu.

Bis zum Jahr 2027 werden weitere Fortschritte bei den rechtlichen Rahmenbedingungen, der Marktintegration und der Standardisierung erwartet. Aus Sicht des AvD darf bidirektionales Laden kein Privileg technikaffiner Eigenheimbesitzer bleiben. Entscheidend ist, dass die Technologie bezahlbar, verständlich und ohne unnötige Bürokratie für möglichst viele E-Autofahrer zugänglich wird. Erst dann kann das Elektroauto sein Potenzial als wichtiger Baustein einer sicheren, klimafreundlichen und kosteneffizienten Energieversorgung vollständig entfalten und Verbraucher von dynamischen Strompreisen sowie intelligentem Energiemanagement profitieren.

Die Technik ist bereit. Jetzt müssen die Rahmenbedingungen nachziehen.