
- Was Autofahrer jetzt an der Tankstelle erwarten können
- Warum die Kraftstoffkosten eventuell nicht sofort sinken
- Welche Bestandteile den Spritpreis ausmachen
„Problem erkannt und verschoben, aber nicht gelöst“, so könnte man die Maßnahme zur kurzfristigen Spritpreisreduzierung beschreiben. Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 sinkt die Energiesteuer um 14,04 Cent je Liter. Einschließlich der darauf entfallenden Mehrwertsteuer ergibt sich eine rechnerische Entlastung von rund 17 Cent je Liter Kraftstoff. Das Bundesfinanzministerium rechnet dadurch mit Steuermindereinnahmen von rund 2,5 Milliarden Euro. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) begrüßt die erneute temporäre Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel aus Verbrauchersicht, mahnt aber zu einer dauerhaften Lösung für eine bezahlbare Mobilität.
Die zentrale Frage ist, ob die Entlastung vollständig bei den Autofahrern ankommt. Das Bundesfinanzministerium weist darauf hin, dass die Energiesteuer nur ein Bestandteil des Kraftstoffpreises ist und es den Kraftstoffanbietern obliegt, die geringere Steuerbelastung weiterzugeben. Nach einer Analyse des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ist eine weitgehende Weitergabe zunächst möglich. Beim zurückliegenden Tankrabatt im Mai und Juni dieses Jahres wurde ein Rückgang der Kraftstoffpreise um rund 16 Cent pro Liter festgestellt. Gleichzeitig zeigen jedoch frühere Untersuchungen zum Tankrabatt im Jahr 2022, dass die Weitergabe im Zeitverlauf nachgelassen hatte. Dadurch kamen über die gesamte Dauer nur etwa 84 Prozent des Tankrabatts für Diesel und 80 Prozent bei Super-E10 bei den Verbrauchern an.
Für faire Spritpreisgestaltung
Bis die Entlastung komplett an der Zapfsäule ankommt, kann es zudem einige Tage dauern. Die Mineralölwirtschaft verweist dann häufig auf vorhandene Lagerbestände, die noch zu höheren Preisen eingekauft worden seien. Hier kann man meist den sogenannten „Rakete-und-Feder-Effekt“ beobachten, wonach steigende Beschaffungskosten an den Tankstellen häufig schnell weitergegeben werden, während sinkende Kosten langsamer weitergegeben werden. Der AvD fordert deshalb weiterhin eine nachvollziehbare Preisbildung und eine konsequente Kontrolle des Wettbewerbs.
Deutschland ist zudem bei der Preisgestaltung in einer besonderen Situation: Bereinigt um staatliche Abgaben liegen die deutschen Kraftstoffpreise im europäischen Vergleich günstig. Der hohe Endpreis an der Zapfsäule ist daher wesentlich durch Steuern, Abgaben und weitere Preisbestandteile geprägt. Daher setzt sich der AvD für dauerhaft niedrigere staatliche Belastungen, mehr Transparenz bei Rohöl-, Beschaffungs- und Raffineriekosten sowie Konsequenzen bei marktfernen Kraftstoffpreisen ein.
Insgesamt kann ein Tankrabatt kurzfristig entlasten. Entscheidend ist jedoch, dass die rechnerischen 17 Cent tatsächlich bei den Autofahrern ankommen – und nicht durch Marktmechanismen teilweise aufgezehrt werden.
