
- Spritpreise entwickeln sich unverhältnismäßig
- EU-Nachbarländer mit gebremster Preissteigerung
- AvD begrüßt Taskforce und fordert schnelle Entlastung
Die vor allem in Deutschland stark steigenden Spritpreise belasten zunehmend die Wirtschaft sowie Verbraucher. Daher rücken sie in den Fokus der Politik. Auslöser ist vor allem die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten mit den Unruhen rund um den Persischen Golf und die zeitweise blockierte Straße von Hormus. Diese ist eine der wichtigsten Transportrouten der Welt, rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls passiert normalerweise diese Meerenge. Die Dieselpreise sind mancherorts schon über 2,20 Euro pro Liter gestiegen und auch der Liter Super E10 überquerte die 2-Euro-Marke. Fachleute warnen bereits vor einem weiteren deutlichen Anstieg. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) begrüßt daher die seitens der Bundesregierung ins Leben gerufene Taskforce und fordert wirksame Gegenmaßnahmen, die die Autofahrer spürbar entlasten.
Der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV), Herbert Rabl, sprach angesichts der Verteuerung von „Abzocke“ seitens der Mineralölkonzerne. Das Rohöl, welches die Basis für das aktuell verwendete Benzin und Diesel ist, wurde zu einem viel günstigeren Preis eingekauft und raffiniert! Auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil drohte bereits mit Konsequenzen, sollten Mineralölkonzerne versuchen, aus dem Iran-Krieg Kapital zu schlagen. Die ressortübergreifende Taskforce soll diese Preisentwicklung jetzt analysieren. Beteiligt sind insbesondere das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, das Bundesministerium der Finanzen sowie das Bundesministerium für Digitales und Verkehr. Unterstützt werden sie vom Bundeskartellamt und der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe, die den Wettbewerb im Tankstellenmarkt beobachten. Ziel der Arbeitsgruppe ist es, kurzfristige Preissprünge zu bewerten und mögliche politische Hebel zu erörtern.
Was kann man tun?
In der Diskussion stehen gleich mehrere Maßnahmen. Eine häufig genannte Option ist eine temporäre Senkung staatlicher Abgaben, etwa der Energiesteuer oder der CO₂-Bepreisung. Diese Maßnahme würde unmittelbar auf den Literpreis wirken und kann Autofahrer kurzfristig entlasten. Allerdings würde sie den Staatshaushalt erheblich belasten und gleichzeitig klimapolitische Lenkungswirkungen abschwächen. Zudem besteht immer die Gefahr, dass die Entlastung nicht vollständig bei den Verbrauchern ankommt. Zu diesem Schluss kam man nach der dreimonatigen Senkung der Energiesteuer 2022 in Folge des Ausbruchs des Ukraine-Krieges. Nach einer Analyse des RWI – Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung ist der Tankrabatt damals – immerhin zeitweise mehr als 15 Prozent des Kraftstoffpreises – nur mit durchschnittlich 87 Prozent bei Diesel und 71 Prozent bei E10 weitergereicht worden.
Ein weiterer Ansatz ist eine strengere Marktaufsicht. Kritiker werfen Mineralölkonzernen vor, Preisanstiege beim Rohöl sehr schnell an die Tankstellen weiterzugeben, während sinkende Einkaufspreise deutlich langsamer bei den Verbrauchern ankommen. Man spricht in diesem Zusammenhang vom „Rakete-und-Feder-Effekt“. Eine stärkere Kontrolle oder mehr Transparenz bei Preisänderungen könnte hier den Wettbewerb stärken. Allerdings lassen sich damit nur mögliche Wettbewerbsprobleme adressieren, keine globalen Faktoren wie geopolitische Krisen oder steigende Rohölpreise.
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sowie Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek sprachen sich unlängst für eine offensivere Maßnahme aus, nämlich für eine Übergewinnsteuer. Diese temporäre Sondersteuer würde die unverhältnismäßig hohen Gewinne der Mineralölkonzerne abschöpfen und könnte Verbraucher entlasten.
Andere EU-Länder deutlich günstiger
Auffällig ist zudem der Vergleich mit Deutschlands Nachbarländern. Zwar steigen in weiten Teilen Europas ebenfalls die Spritpreise, doch in manchen Ländern deutlich weniger als bei uns. Beispielsweise tankt man in Belgien, Luxemburg, Österreich, Polen oder Tschechien billiger. Interessant ist, dass Belgien täglich einen staatlich festgelegten Höchstpreis vorgibt, den Tankstellen nicht überschreiten dürfen. Dieser wird tagesaktuell berechnet und basiert auf den internationalen Erdölpreisen. In Österreich liegt der Hauptgrund für den günstigeren Sprit an der Mineralölsteuer. Während diese in Deutschland bei 65,45 Cent pro Liter Benzin und 47,04 Cent pro Liter Diesel liegt, werden bei unseren Nachbarn lediglich 48,2 Cent (Benzin) und 39,7 Cent (Diesel) verlangt. Zudem ist dort gesetzlich geregelt, dass die Preise nur einmal am Tag erhöht werden dürfen. Polen und Tschechien haben Anfang März 2026 Preisvorteile von 40 bis 60 Cent pro Liter. Dies liegt vor allem an der geringeren steuerlichen Belastung. In Grenzregionen führt das oftmals dazu, dass Autofahrer zum Tanken ins Ausland ausweichen.
Aus Sicht des AvD sind daher zeitnah in Deutschland gezielte Entlastungen für Verbraucher notwendig. „In Ausnahmesituationen wie der aktuellen Krise im Golfraum braucht es kurzfristige Maßnahmen, um extreme Preissprünge abzufedern“, sagt AvD Präsident Lutz Leif Linden. „Die Bundesregierung ist hier aufgefordert, schnellstmöglich eine temporäre Steuerentlastung im Sinne der Autofahrer umzusetzen. Gleichzeitig braucht es dauerhaft mehr Transparenz und eine konsequente Marktaufsicht im Kraftstoffmarkt. Nur wenn Wettbewerb funktioniert und Preisentwicklungen nachvollziehbar sind, können Verbraucher darauf vertrauen, dass sie an der Tankstelle faire Preise zahlen.“