04.09.2026 - Pressemitteilung

TUM-Studie: E-Autos reduzieren CO₂ nur um 41 % – AvD fordert Kurswechsel

Lebenszyklus statt Auspuff: Warum die EU-Regulierung laut TUM in die falsche Richtung führt
TUM-Studie bestätigt Kurs des AvD zur Technologieoffenheit© KI generierter Inhalt
  • Lebenszyklus nicht Auspuff entscheidet über Klimabilanz
  • Verbraucher brauchen echte Wahlfreiheit beim Autokauf
  • AvD fordert Technologieoffenheit statt politischer Einbahnstraße

Eine aktuelle Studie der Technischen Universität München (TUM) stellt die bisherige CO₂-Regulierung für Pkw grundlegend infrage. Der Forschungsverbund CirculaTUM hat 19 Studien mit 47 Szenarien ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis, dass batterieelektrische Fahrzeuge die CO₂-Emissionen über ihren gesamten Lebenszyklus im Durchschnitt nur um 41 Prozent gegenüber Verbrennern reduzieren. Grund dafür ist die ganzheitliche Betrachtung von der Fahrzeugproduktion über die Energieerzeugung bis zum Recycling. Die EU bewertet Elektrofahrzeuge dagegen in ihrer derzeitigen Regulierung allein anhand der Auspuffemissionen als 100 Prozent emissionsfrei. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) sieht sich damit einmal mehr in seiner Forderung nach mehr Technologieoffenheit bestätigt. E-Autos können und sollten nicht das alleinige Mittel sein, um die EU-Klimaziele zu erreichen.

Die TUM hält die EU-Betrachtung für eine Fehlsteuerung und schlägt einen lebenszyklusbasierten Standard vor. Besonders relevant ist hierbei, dass bis 2030 nach der von der TUM herangezogenen Modellierung weniger als 80 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden könnten, obwohl zur Erreichung des EU-Ziels etwa 188 Millionen Tonnen notwendig wären. Gleichzeitig werden von den aktuell über 49 Mio. in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen in 2030 voraussichtlich noch 78 Prozent mit Verbrennungstechnologie sein.

Lösungen für Bestandsflotte
Für den AvD sind diese Ergebnisse ein wichtiger Beleg für einen Kurs, den der Club bereits seit Langem vertritt: Technologieoffenheit statt Festlegung auf einen einzigen Antrieb. Elektromobilität ist ein wichtiger Baustein, aber nicht die alleinige Lösung für Klimaneutralität. Gerade weil das Durchschnittsalter der Pkw-Flotte inzwischen bei mehr als elf Jahren liegt, muss Klimaschutz auch mit dem vorhandenen Fahrzeugbestand funktionieren. Deshalb fordert der AvD seit Langem neben E-Mobilität auch synthetische Kraftstoffe, moderne Biokraftstoffe und weitere Technologien. E-Fuels sollten in die Klimastrategie einbezogen werden und die Kosten für Autofahrer sind im Blick zu behalten.

An die Bundesregierung richtet der AvD einen klaren Auftrag, nämlich CO₂-Einsparungen technologieübergreifend und über den gesamten Lebenszyklus zu bewerten. Gleichzeitig braucht es bezahlbare Energie, niedrigere Ladekosten, eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur und Anreize für klimafreundliche Kraftstoffe, damit auch Millionen bestehender Fahrzeuge einen Beitrag leisten können. Verkehrspolitik sollte sich weniger von ideologischen Vorgaben leiten lassen und stattdessen Klimaschutz mit bezahlbarer individueller Mobilität verbinden.

EU schon einen Schritt weiter
Die EU bewegt sich inzwischen in eine ähnliche Richtung. Das „Automotive Package“ der Europäischen Kommission vom Dezember 2025 sieht für die Zeit ab 2035 weiterhin eine Reduktion der Auspuffemissionen um 90 Prozent vor. Die verbleibenden zehn Prozent sollen unter anderem über CO₂-armen europäischen Stahl sowie E-Fuels und Biokraftstoffe kompensiert werden können. Zugleich sollen Vorgaben für Hersteller flexibler und technologieoffener werden. Die TUM sieht darin allerdings noch keine ausreichende Lösung, da die möglichen Gutschriften für Stahl und Kraftstoffe höchstens zehn Prozent der vorgeschriebenen Reduktion abdecken. Die politische Entscheidung über die Reform der CO₂-Verordnung ist nach TUM-Angaben für den 23. November 2026 im Europäischen Parlament vorgesehen.

Für Autofahrer bleibt somit die Hoffnung, dass der technologische Spielraum für die Automobilwirtschaft demnächst größer wird. Wer ein Fahrzeug kauft, sollte nicht allein danach entscheiden, welche Technologie politisch gerade bevorzugt wird. Entscheidend sind Nutzung, Kosten, Infrastruktur und die tatsächliche Klimabilanz. Aus Sicht des AvD muss die Politik deshalb jetzt dafür sorgen, dass Verbraucher zwischen mehreren klimafreundlichen Lösungen wählen können, statt ihnen eine Technologie vorzuschreiben.

AvD Präsident Lutz Leif Linden: „Die Ergebnisse der TUM bestätigen, was der AvD seit Jahren fordert, dass Klimaschutz Technologieoffenheit braucht statt politischer Einbahnstraßen. Das Elektroauto wird einen wichtigen Beitrag leisten, aber es ist nicht die alleinige Lösung für eine klimaneutrale Mobilität. Deshalb müssen neben der Elektromobilität auch E-Fuels und weitere Technologien berücksichtigt werden, die unsere Bestandsflotte klimafreundlicher machen können. Nicht die Politik sollte den Antrieb bestimmen, sondern die beste Klimabilanz und die Anforderungen der Autofahrer sollten entscheiden!“

AvD Presseabteilung - Marc Kennedy© AvD
Über den Autor
Marc Kennedy
AvD Pressesprecher