
- MPU-Zahlen sinken, doch die Gründe bleiben vielfältig
- Alkohol- und Drogenkonsum nicht die einzigen Auffälligkeiten
- Verantwortung und Rücksicht sind entscheidend für sichere Mobilität
Die Zahl der medizinisch-psychologischen Untersuchungen (MPU) in Deutschland ist erneut gesunken. Nach der aktuellen Statistik der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wurden 2025 insgesamt 70.135 Begutachtungen durchgeführt. Das entspricht knapp sieben Prozent weniger als noch in 2024 und ist bereits das vierte Jahr in Folge mit einem Rückgang. Für den Automobilclub von Deutschland (AvD) ist dies jedoch kein Grund zur Entwarnung. Im Sinne der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer bleibt es eine Notwendigkeit, sein Fahrverhalten stets zu prüfen und verantwortlich sowie rücksichtsvoll im Straßenverkehr zu agieren.
Die Anlässe für eine MPU haben sich gemäß BASt grundsätzlich kaum verändert. Alkoholauffälligkeiten machten 2025 mit rund 44 Prozent weiterhin den größten Anteil aus. Auf Fragestellungen zu Drogen und Medikamenten entfielen etwa 21 Prozent, auf Verkehrsauffälligkeiten ohne Alkohol rund 20 Prozent. Damit zeigt die Statistik aber auch, dass eine MPU keineswegs immer nur die Folge einer Alkoholfahrt ist. Wiederholte oder erhebliche Verkehrsverstöße können ebenso Zweifel an der Fahreignung begründen. Die Begutachtung soll allgemein klären, ob künftig ein verantwortungsvolles und sicheres Verkehrsverhalten zu erwarten ist.
Weniger MPUs, nicht weniger Konsum
Im Vergleich zu früheren Untersuchungen ist lediglich der Rückgang bei den Begutachtungen aufgrund von Betäubungsmitteln, Cannabis und Medikamenten auffällig. Dies sorgte im vergangenen Jahr in 12.376 Fällen zu einer MPU, während in 2024 noch 15.967 Anlässe in diese Kategorie fielen (in 2023 gar 23.431). Ein verändertes Konsumverhalten lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Gerade beim Cannabis sprechen aktuelle wissenschaftliche Daten sogar gegen eine so einfache Erklärung. Nach Angaben des Instituts für Therapieforschung steigerte sich im Jahr 2024 die Zahl der Cannabis-Konsumenten bei den 18- bis 64-Jährigen auf rund 9,8 Prozent. 2021 waren es noch 8,8 Prozent.
Ein möglicher Erklärungsansatz für die rückläufigen MPU-Zahlen in dieser Anlassgruppe ist eher die veränderte Rechtslage. Seit August 2024 gelten nämlich neue Regelungen zum Cannabiskonsum im Straßenverkehr, unter anderem ein gesetzlicher THC-Grenzwert von 3,5 Nanogramm pro Milliliter Blutserum. Dieser Wert ist nach Ansicht der Experten vergleichbar mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,2 Promille. Die sinkenden BASt-Zahlen sollten also nicht mit einem generellen Rückgang des Konsums gleichgesetzt werden, sondern besagen lediglich, dass weniger Begutachtungen durchgeführt wurden.
Vorbereitung einer MPU
Wer eine MPU benötigt, sollte sich zunächst mit einer unangenehmen, aber entscheidenden Erkenntnis auseinandersetzen. Das eigene Verhalten hat berechtigte Zweifel an der Fahreignung ausgelöst. Das gilt für Alkohol- oder Drogenfahrten ebenso wie für zu viele Punkte, wiederholte Verkehrsverstöße oder andere Verhaltensweisen, durch die die Sicherheit anderer beeinträchtigt wurde. Bei der Vorbereitung sollte es daher nicht darum gehen, vermeintlich richtige Antworten auswendig zu lernen. Der AvD empfiehlt, sich über folgende Fragen klar zu werden: Was hat zum Fehlverhalten geführt? Welche Risiken wurden dabei für andere in Kauf genommen? Was hat sich seitdem konkret bei mir verändert? Und warum ist diese Veränderung auch künftig dauerhaft zu erwarten?
Die MPU ist damit mehr als eine Hürde auf dem Weg zurück zum Führerschein. Sie berührt eine grundlegende Frage der Verkehrssicherheit: Wer am Straßenverkehr teilnimmt, trägt Verantwortung für andere mit. Rücksicht, Regelbewusstsein und die Bereitschaft, eigenes Fehlverhalten zu erkennen und zu verändern, sind deshalb unverzichtbar. Der AvD setzt sich im Interesse aller Verkehrsteilnehmer für eine solche Kultur der Verantwortung ein. Denn auf der Straße ist niemand allein und niemand trägt Verantwortung nur für sich selbst!
