28.07.2026 - Pressemitteilung

Erwartungen an den neuen Verkehrsminister

Nach dem Rücktritt von Patrick Schnieder hat Bundeskanzler Friedrich Merz Steffen Bilger als neuen Bundesverkehrsminister benannt.
Alle Bildrechte liegen bei Steffen Bilger, Fotograf Tobias Koch.
  • AvD fordert Technologieoffenheit als Leitprinzip
  • Individuelle Mobilität mit mehr Realitätssinn
  • Klimaschutz nur mit bezahlbarer Mobilität

Nach dem Rücktritt von Patrick Schnieder infolge des fehlenden politischen Rückhalts aus dem Kanzleramt steht die Bundesregierung vor der Benennung eines neuen Bundesverkehrsministers. Bundeskanzler Friedrich Merz hat hierfür nun den bisherigen Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Steffen Bilger benannt. Für den Automobilclub von Deutschland (AvD) bietet dieser Wechsel die Chance für einen verkehrspolitischen Neustart. Deutschland braucht eine Politik, die sich stärker an den Lebensrealitäten der Menschen orientiert und Mobilität als Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Stärke versteht.

Der AvD erwartet vom künftigen Bundesverkehrsminister einen klaren Kurs hin zu mehr Technologieoffenheit und weniger ideologischen Vorgaben. Klimaschutz und Innovation sind unverzichtbar, dürfen jedoch nicht gegen Bezahlbarkeit und individuelle Mobilität ausgespielt werden. Eine funktionierende Infrastruktur trägt maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg eines ganzen Landes bei, wie man unlängst bei einigen aufstrebenden Ländern erkennen konnte. Dies ist bei der Verteilung zukünftiger Budgets zu bedenken. Wer den Wandel im Verkehrssektor erfolgreich gestalten will, muss die Menschen mitnehmen und praktikable Lösungen schaffen.

Größter Handlungsbedarf
Kurzfristig sieht der AvD vor allem Handlungsbedarf bei den Mobilitätskosten. Hohe Kraftstoffpreise, steigende Ladekosten und zusätzliche finanzielle Belastungen treffen insbesondere Berufspendler sowie Menschen im ländlichen Raum. Bezahlbare Mobilität ist keine Komfortfrage, sondern für Millionen Menschen Voraussetzung für Arbeit, Familie und gesellschaftliche Teilhabe.

Gleichzeitig darf die Transformation des Verkehrs nicht auf eine einzige Antriebstechnologie reduziert werden. Elektromobilität ist ein wichtiger Baustein, wird den Wandel aber allein nicht bewältigen. Der AvD fordert deshalb ein klares Bekenntnis zur Technologieoffenheit. Batterieelektrische Fahrzeuge, Hybridantriebe und klimaneutral erzeugte Kraftstoffe müssen gleichermaßen ihren Beitrag leisten können. Gerade der bestehende Fahrzeugbestand bietet erhebliche Potenziale zur CO₂-Minderung, wenn alternative Kraftstoffe konsequent einbezogen werden.

Auch die Digitalisierung des Verkehrs muss deutlich an Tempo gewinnen. Intelligente Verkehrssteuerung, vernetzte Infrastruktur und digitale Services können den Verkehr effizienter, sicherer und komfortabler machen. Entscheidend ist jedoch, dass Digitalisierung den Menschen dient und konkrete Verbesserungen im Alltag schafft.

Fahrzeuge im Schnitt über 11 Jahre
Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigen auch aktuelle Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes: Das Durchschnittsalter der in Deutschland zugelassenen Pkw liegt mittlerweile bei mehr als elf Jahren. Viele Verbraucher verschieben den Fahrzeugkauf aus wirtschaftlichen Gründen. Eine zukunftsfähige Verkehrspolitik muss diese Realität berücksichtigen, anstatt sie auszublenden.

Der AvD versteht sich dabei als konstruktiver Partner für Politik und Gesellschaft. Mit seiner Erfahrung aus der täglichen Arbeit für Millionen Verkehrsteilnehmer bringt der Club praxisnahe Expertise in den Bereichen Verbraucherinteressen, Verkehrssicherheit, Digitalisierung und zukunftsfähige Mobilität ein und steht bereit, den politischen Dialog aktiv zu begleiten.

AvD Präsident Lutz Leif Linden: „Patrick Schnieder hat sein Amt in einer anspruchsvollen Phase übernommen. Ich danke ihm ausdrücklich für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Gleichzeitig freue ich mich über die Benennung von Steffen Bilger. Er ist ein ausgewiesener Verkehrsexperte, mit dem wir bereits in seiner Zeit als Staatssekretär engen und konstruktiven Austausch hatten. Der Wandel der Mobilität kann jedoch nur gemeinsam mit den Menschen gelingen. Vertrauen in neue Technologien entsteht dabei nicht über Nacht, sondern wächst mit der Zeit und durch Erfahrungswerte. Um diese Akzeptanz zu stärken, muss die Bundesregierung Mobilität bezahlbar halten, Innovationen fördern und Technologieoffenheit zur Leitlinie ihrer Verkehrspolitik machen.“