
- Zwischenfazit in Sachen individuelle Mobilität
- Bislang nur Schritte in die richtige Richtung
- AvD sieht deutlich mehr Handlungsbedarf
Ein Jahr nach Amtsantritt der neuen Bundesregierung fällt das Zwischenfazit aus Sicht des Automobilclub von Deutschland (AvD) gemischt aus. Zwar wurden zentrale Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag angestoßen, doch bei der entscheidenden Frage nach einer bezahlbaren Mobilität für breite Bevölkerungsschichten bleibt der Fortschritt begrenzt.
Bereits seit Anfang 2025, und damit deutlich vor der Bundestagswahl, forderte der AvD konsequent Entlastungen für Autofahrer und eine technologieoffene Verkehrspolitik. Der traditionsreichste Automobilclub Deutschlands setzt sich für eine „sanftere Energiewende“ ein und betont die weiterhin große Bedeutung von Verbrennern sowie alternativen Kraftstoffen wie E-Fuels, da diese kurzfristig CO₂-Reduktionen ermöglichen und in der bestehenden Infrastruktur eingesetzt werden können. Private Haushalte sollten bei der Elektromobilität deutlich mehr Unterstützung erfahren, da staatliche Programme zunächst vor allem Unternehmen begünstigten. Im Jahresverlauf rückten jedoch konstant steigende Kosten in den Fokus. Hier forderte der AvD Preisregulierungen bei Kraftstoffen sowie gezielte Entlastungen, da „Mobilität bezahlbar bleiben“ muss.
Was bislang passiert ist
Die Bundesregierung hat durchaus erste Maßnahmen umgesetzt. Positiv hervorzuheben ist die langfristige Sicherung des Deutschlandtickets bis 2030 durch Bundesmittel. Auch steuerliche Anreize für E-Mobilität, etwa Sonderabschreibungen für Unternehmen und die geplante Förderung von Dienstwagen, wurden auf den Weg gebracht. Zudem wurde die Kfz-Steuerbefreiung für Elektroautos verlängert, um den Markthochlauf zu unterstützen, und ein Masterplan zum Ausbau der Ladeinfrastruktur vorgelegt. Die Maßnahmen zur Vereinfachung des Führerscheinerwerbs bewertet der AvD ebenso positiv, da sie helfen können, die Kosten für Fahrschüler spürbar zu senken. So könnten laut Bundesverkehrsministerium durch effizientere Prüfungsverfahren und mehr digitale Theorieangebote Einsparungen von bis zu 20 Prozent pro Führerschein erreicht werden.
Aus Sicht des AvD greifen diese Maßnahmen jedoch zu kurz oder gehen an der Lebensrealität vieler Autofahrer vorbei. So konzentrieren sich Förderprogramme weiterhin stark auf gewerbliche Nutzer, während private Haushalte, insbesondere mit mittleren und niedrigen Einkommen, kaum davon profitieren. Instrumente wie Social Leasing oder direkte Kaufanreize für Privatpersonen wurden bislang nicht konkret umgesetzt, obwohl sie im Koalitionsvertrag angekündigt wurden. Gleichzeitig treiben höhere CO₂-Abgaben, die aktuell kriegsbedingt stark gestiegenen Spritpreise sowie generell hohe Energiepreise für Strom und Heizöl die Kosten weiter in die Höhe.
Reale Bedürfnisse abdecken
Besonders kritisch bewertet der AvD, dass die Transformation des Verkehrssektors bislang nicht ausreichend sozial flankiert wird. Während die Politik stark auf Elektrifizierung setzt, fehlt es an pragmatischen Übergangslösungen für den bestehenden Fahrzeugbestand sowie an spürbaren finanziellen Entlastungen im Alltag. Die Bundesregierung hat wichtige Weichen gestellt, doch die Umsetzung bleibt einseitig und für viele Bürger zu teuer. Es besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf bei den Kraftstoffkosten, einer breitenwirksamen Förderung und technologieoffenen Ansätzen.
AvD Präsident Lutz Leif Linden: „Bezahlbare Mobilität darf kein politisches Versprechen bleiben. Sie muss endlich im Geldbeutel der Menschen ankommen. Die Bundesregierung hat einige gute Ansätze, aber noch zu wenig konkrete Entlastung für die Verbraucher. Wir brauchen Maßnahmen, die sich stärker an der Lebensrealität der Bürger orientieren und vor allem den Menschen zugutekommen, die auf den eigenen Pkw angewiesen sind, sowohl beruflich als auch, weil es auf dem Land keine adäquate Alternative gibt!“